20.03.2011

Vegeologie

Ich denke, es ist eine Nebenwirkung vom Verlobt-sein. Als ich im Januar zurueck nach Meeka gekommen bin, habe ich erst einmal die Kuechenschraenke ausgeraeumt und geputzt und sortiert. Die Waescheleine im Garten hat jetzt auch Waescheklammern und gestern habe ich wie ein Putzteufel Tueren, Tuerrahmen und Deckenventilatoren gewischt. Bilderrahmen und Buecherregal sind entstaubt und selbst die verstaubten Fensterrahmen haben den nassen Lappen abbekommen. (Meine Mama fragt sich jetzt "Ah, warum hat sie das nicht gemacht als sie 15 war und ich ihr drei Mal in den Hintern treten musste damit sie endlich ihr Zimmer aufraeumt?!") Und jetzt fange ich auch noch an, motiviert im Garten herum zu buddeln und Gemuese zu pflanzen, damit ich leckerer und gesuender kochen kann. Oh Gott, das Hausfrauen-Virus hat mich gefunden!

Problem Nummer 1: in Meeka haben wir nicht gerade das netteste Gemuese Garten Wetter. Trockene, steinige oder lehmige Erde, viel heisser Sonnenschein, wenig Regen, Grashuepfer und andere Pesttiere, die sich gerne an's frische Gruen heranmachen.
Problem Nummer 2: ausser der Moehrchen Ernte aus meinem Quadratmeter Gemuesebeet als ich 5 Jahre alt war, habe ich keine Garten Erfahrung. Selbst Kakteen haben bei mir nicht ueberlebt.

Vorteil Nummer 1: Freunde und Bekannte, die mehr Erfahrung haben und mir Saat und Tips schenken.
Vorteil Nummer 2: Hausfrauen-Virus-Motivation.





Ausserdem gut: man stecke Samen in Erde, macht Wasser drauf - und es waechst! It's no rocket science!
  
Radieschen am Donnerstag
  
Radieschen am Samstag


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hoch motiviert belese ich mich nun also in Gemuesegartenwissenschaft (von nun an "Vegeologie") und schaue alle 5 Minuten nach, ob meine kleinen Sproesslinge schon wieder ein bisschen gewachsen sind.

19.03.2011

Wochenend Trips

Wie ja allen klar ist, ist Australien ein kleines bisschen groesser als Deutschland. Ausserdem ist es nicht so dicht besiedelt wie Deutschland. Folglich sind die Strecken zwischen Orten etwas laenger.

Von Meeka sind es 115 km bis Cue, ein Ort ziemlich aehnlich zu Meeka - klein, staubig, keine wirklichen Einkaufsmoeglichkeiten, mitten im Nix. Von Cue sind es dann weitere 80 km bis Mount Magnet (ja, magnetischer Berg.) Mount Magnet ist genau so wie Cue und Meeka. 124 km weiter kommt man in den naechsten Ort - Yalgoo (und ja, glaubt mir, zwischen diesen Orten ist wirklich kein anderer Ort. Vielleicht mal eine Mine oder ein paar Stations, aber kein Ort. Keine Besiedelung.) 118 km spaeter dann Mullewa (jaaa wir sind fast da), 100km weiter dann endlich Geraldton! 540 km muessen wir also fahren um Ampeln zu sehen. Um bei Subway oder Hungry Jacks (Burger King) zu essen. Um die Fuesse in den Indischen Ozean zu stecken. Um einen Haarschnitt zu bekommen. Um in Restaurants mit richtiger Bedienung zu essen. Um Shoppen zu gehen.
Also faehrt man Freitag morgens los, 5 Stunden spaeter ist man da. Verbringt den Abend und den Samstag da, Sonntag morgens faehrt man wieder zurueck. Easy! Oder "Piece of piss" wie die Aussies gerne sagen. Und allein fuer die Pfannkuchen im Restaurant zum Fruehstueck hat es sich gelohnt!

Zurueck in Meeka fragt Nyssa mich "Hey, wir fahren naechstes Wochenende nach Glenayle. Willst mit?"
Spontan einen Tag frei genommen und ins Auto gehuepft sind wir auf dem Weg nach Glenayle - oh wie ich mich freue! 180km nach Wiluna, danach kein Ort mehr, nur noch Stations. Mal "kurz" bei Norma und Rex auf Millrose Station vorbeigeschaut, 2 Stunden spaeter nach Mittagessen, Kaffee und viel Yarn, geht's dann weiter nach Glenayle.

Sydney Heads Pass
 







 



 Auch in diesem Landstrich gab es Regen und "Sydney Heads Pass" - letztes Jahr noch Staubtrocken - ist jetzt ein Paradies fuer Teichtiere - Froesche, Fische, Enten, Libellen, ... (Wie verdammt nochmal ueberleben FISCHE in dieser Wueste waehrend der Duerre?! Unglaublich!) Die kleinen komischen Fische/Kaulquappen/Skorpionfische auf der Hand im Foto waren zu tausenden in einer langen Pfuetze am Strassenrand. Es ist schon lustig, was es hier so fuer Kreaturen gibt.



Kamele, Kuehe und Kaenguruhs auf der Strasse sind ja recht normal. Die beiden weissen Ponies mit der roten Maehne haben uns aber doch ein bisschen ueberrascht. Es sind wahrscheinlich Nachkommen von Pferden, die irgendwann mal von der Station ausgebueckst sind. Ja, man weiss nicht so wirklich, was da alles so im Bush lebt.


wilde Pferde auf der Glenayle Road


Und da war ich wieder - Glenayle Station. Was seit August wie eine unerreichbare, andere Welt wirkte, ist eigentlich nur 6 Stunden Fahrt entfernt um die Ecke. Es war schoen, Pam, Lou und Colin wieder zu sehen und auch Linda war wieder da. Die kleinen Laemmchen von letztem Jahr sind junge Teenie Schafe, die ganz cool und unabhaengig von laecherlichen Milchflaschen auf ihrer Koppel herumlaufen. Der laute nervige Hahn ist im Jenseits, die Butcher Birds sind immer noch da und pfeifen ihr Lied und Bindy die Ziege hat eine neue Freundin und einen groesseren Auslauf bekommen. Neu in der Sammlung ist ein Huhn, das denkt, es waere ein Mensch und nachts lange aufbleibt, dir beim Fruehstueck in die Zehen pickt und manchmal gerne gekuschelt werden will.


Ausserdem gibt es tausende Muecken und Marchflies (wie Bremsen, aber sie beissen Menschen..) und angeblich auch Sandflies, die mich aber zum Glueck bisher in Ruhe gelassen haben. Es unterstuetzt mal wieder meine Theorie - alles in Australien hat entweder einen Beutel oder es beisst dich. Selbst die Huehner.

Am Samstag (es war ja mal wieder nur ein Wochenend Trip, das heisst man hat nur einen vollen Tag) sind wir raus nach Carnegie Station gefahren, etwa 2 Stunden entfernt, um Sachen aus Colin's Chiller zu holen und mit zurueck nach Meeka zu nehmen. 

Carnegie Station hat einen super coolen Zaun aus altem Schrott (es ist schon klasse, was man so mit Langeweile machen kann) und so begaben Dottie, Nyssa und ich uns auch auf den Scrap Heap (Schrotthaufen) um nach Juwelen zu schauen. Ich habe nichts wirklich nuetzliches gefunden aber dieses eine Metall Teil erinnerte mich zu sehr an Brueste... Naja :)

                                              
Auf Carnegie Station ist man ziemlich genau in der Mitte von Western Australia und ich glaube man kann nicht weiter weg von der Zivilisation sein, als hier.
 

Diese Schlange im Glas ist eine Death Adder. John, der auf Carnegie lebt, hat sie die vorige Nacht neben seinem Bett gefunden. Ich weiss zwar nicht viel ueber Schlangen, aber ich glaube der Namensteil "Death" heisst, dass sie vielleicht eventuell ein bisschen gefaehrlich sein koennte.


Ab und zu findet man selbst in Australien auch mal harmlose, beutellose Tiere. An einem Wasserloch auf dem Rueckweg hielten wir an, weil Clarrie eine kleine Schildkroete entdeckt hat.Colin, mutig wie er ist, zieht sich aus, springt rein und schnappt sich die Schildkroete. Warum er seine Jeans nicht ausgezogen hat? "It's nice and cool for the drive back." ...



Die arme kleine Schildkroete musste dann eine hubbelige Rueckfahrt in einem Billy Can (Blechdose, in der man normalerweise Wasser ueber einem Feuer erhitzt) verbringen und wird jetzt als Haustier in einem Wasserloch nahe des Glenayle Homesteads gehalten.

Andere Tiere, die unseren Weg kreuzten, hatten nicht so viel Glueck. Eine Herde wilder Esel war ein Grund, warum Nathan schlagartig bremste, sein Gewehr schnappt und aus dem Auto sprang. Beine und Rueckenfleisch abgeschnitten und auf den Anhaenger geworfen ging's weiter. Das andere Mal waren es Kaenguruhs und eines musste Ade sagen. Das landete allerdings nicht auf dem Anhaenger sondern gab der "Roo Bar" eine fuer mich neue Bedeutung.

Man stecke ein Bein des Kaenguruhs durch das andere und wickelt es um die Roo Bar. Der Fahrtwind haelt es kuehl und laesst den Fliegen keine Chance. Und ich dachte immer, die Bull Bar heisst Roo Bar, weil es dein Auto beschuetzt, wenn du gegen Roos (KaengaROO) faehrst und nicht weil du geschossene Kaenguruhs dran festbinden kannst...

(Aus U18 Gruenden lasse ich das Foto der anderen Haelfte des Kaenguruhs weg, aber emaile es gerne zu euch auf Bestellung. Biologisch sehr interessant zu sehen, wie Kaenguruh Innereien aussehen.)



Das Highlight des Tages war jedoch die wortwoertliche Spritztour mit Colins Boot. 20 km vom Haus entfernt ist eine Claypen (eine Flaeche mit sehr dichtem Boden, so dass es Regenwasser wunderbar haelt und einen See bildet), also laedt Colin das Boot auf den Trailer und los gehts da hin!







Rain rain go away...

... please come back another day.

Ich haette ja nie gedacht, dass ich das mal sagen wuerde hier in Meeka, wo alles so trocken ist und jede Pflanze und jeder Busch, wenn nicht schon vertrocknet, nach einem Tropfen Wasser durstet. Aber der Regen, den wir bisher hatten, war sensationell und an einem Abend ein bisschen zu viel.

Die Gesamtmenge an Regen im Jahr 2010 war 120mm. Bis zum heutigen Tage (19. Maerz) hatten wir dieses Jahr schon 192mm Regen. Und 100mm davon kamen innerhalb von 5 Stunden :)

Bisher habe ich Gewitter immer geliebt und Angst vor Gewittern kannte ich nicht. (Meine Eltern koennen sich vielleicht noch daran erinnern, wie sie Kim und mich eines Sommersabends im ganzen Ort gesucht haben, waehrend wir doch einfach nur so viel Spass hatten, uns waehrend eines Gewitters in den grossen Pfuetzen auf dem Rewe Parkplatz zu suhlen...) Aber wenn du auf einer flachen Ebene wohnst, dich sicher fuehlst, da ja am anderen Ende des Ortes ein grosser Metall Empfangsturm ist, in den der Blitz ja garantiert einschlagen wuerde, und du dann siehst/hoerst/fuehlst, wie der Blitz drei Strassen weiter in den Camping Platz einschlaegt, dann wird dir schon etwas mulmig :) Blitzableiter? Gibt's hier nicht. Regendichte, gut isolierte Haeuser? Mangelware. Blitze, die den Boden schuetteln, wenn sie einschlagen und so laut knallen dass du hoch in die Luft springst vor Schreck? Ganz viele und etwa alle Minute einer :) Huiii das war interessant... Pete war immer noch bei der Arbeit und sagte mir, dass er wohl ziemlich spaet nach Hause kommen wuerde, da der Shop bei Regen gerne mal ein bisschen nass wird. Unter dem Vorwand "Ich kann ja nicht zu Hause sitzen waehrend du hier arbeitest." bin ich runter zum Shop gefahren. Mein richtiges Motiv war aber "Aaah ich habe Angst, Pete beschuetz mich vor den dollen Blitzen!!" :D


Im Shop wurden meine Gedanken sehr schnell von den Blitzen abgelenkt, denn ich platschte durch 3cm Wasser.


Regenrinnen? Quatsch, braucht man ja nicht. Ach, das Wasser laeuft dann vom Dach die Seite runter und sickert in den Shop? Ups...


Zum Glueck sind die Aussies ja alle sehr hilfbereit und schnell hatten wir eine Manschaft von vier Personen da, die alle zusammen mit Besen das Wasser aus der Tuer herausschoben. Es klappt unwahrscheinlich gut!
Mit dem "Wookie" (die Maschine, die Pete morgens durch die Gaenge schiebt, um den Boden zu waschen. Immer wenn man sie um die Ecke schiebt, macht sie "wook wook wook", daher der Name..) saugte Pete Liter um Liter Wasser auf und eeeendlich um halb 11 oder so, war der Shop dann halbwegs trocken und wir konnten nach Hause gehen und ins Bett fallen.

Am naechsten Morgen konnte man dann das Ausmass des Regens erst richtig sehen. Die kleine Bruecke, die ueber den Creek (Bach) zum Krankenhaus und zur Schule fuehrt, war total ueberschwemmt. Gut dass wir in der Nacht keine Krankenwagen Notfaelle hatten, denn wir haetten sonst ein Boot organisieren muessen!
Die Strasse zum Sportplatz, die auch an dem Creek vorbei fuehrt, war selbst ein Fluss. Ziemlich alle Strassen im Bezirk (wie schon gesagt, so gross wie ganz Norddeutschland zusammen) mussten gesperrt werden. Wochenlang waren Leute in kleinen Gemeinschaften im Bush gefangen und konnten nicht rein oder raus. Ein Helikopter musste sogar Nahrungsmittel zu einer kleinen Gemeinschaft ausfliegen. Die Strassen sind immer noch ziemlich beschaedigt, aber immerhin groesstenteils wieder offen fuer Verkehr.

Und die Landschaft ist GRUEN!! Es ist unglaublich was ein bisschen (oder ein bisschen mehr..) Regen tun kann! Und es ist noch viel unglaublicher, dass die Samen der Pflanzen Jahrelang im trockenen Boden ueberleben koennen um dann ploetzlich zu spriessen. Die Baeume sind gruen und bluehen (kleine gelbe Blueten an manchen Baeumen), ueberall waechst etwas (groesstenteils Straeucher und anderes Gestruepp) und sogar unser Garten sah gruen aus! Die Menge an Unkraut haette man fast maehen koennen :D

Anscheinend hat es ja doch Vorteile, am Hintern der Welt zu leben, am Rande der Wueste, denn waehrend die paradisischen Orte im Norden von cyclones (Orkanen) zerpflueckt werden, kriegen wir ein bisschen Regen ab. Erdbeben gibts hier nicht, Tsunamis koennen 500 Kilometer Inland keinen Schaden anrichten und unser Flugplatz wird hoechst wahrscheinlich auch nie einen Winter wie Heathrow erleben. Es ist zwar heiss im Sommer und die Fliegen treiben dich in den Wahnsinn, aber wenn das das Schlimmste an diesem Ort ist, dann ist es ein ziemlich gutes Plaetzchen finde ich.


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